Freimaurerloge
>> Zur Katharinenlinde <<

i.Or.Esslingen am Neckar

Warum bin ich Freimaurer geworden und was fasziniert mich an dem Freimaurerbund noch heute, nach langjähriger Mitgliedschaft?


Meine erste Berührung mit der Freimaurerei verdanke ich Leo Tolstois Roman „Krieg und Frieden“. Der zweite und ausschlaggebende Kontakt hingegen einem Bundeswehrkameraden, der später zu einem guten Freund wurde. Er hat mir als Freimaurer Anfang der 1990er Jahre eine Einladung der Esslinger Loge verschafft. Ich habe dabei sehr interessante Herren kennen gelernt, die einen sehr entspannten und souveränen Eindruck auf mich machten. Obwohl sehr würdig, lebensweise und/oder beruflich erfolgreich, hat keiner hochmütig auf den „Grünschnabel“ herabgeblickt. Irritierend und reizvoll zugleich erschien mir das „Treiben“ im so genannten Tempel. Daran durfte ich als Gast jedoch nicht teilhaben.


Nach einigen Besuchen hat man mir nahe gelegt, einen Aufnahmeantrag zu stellen. Aufgrund anderer Lebensschwerpunkte (Studium, Arbeitsplatzsuche) wollte ich mich damals aber noch nicht darauf einlassen. Ein übereilter Eintritt kam für mich auch deswegen nicht in Betracht, weil die Freimaurer eine Beziehung auf Lebenszeit anstreben – auch wenn man im rechtlichen Sinne die Mitgliedschaft natürlich jederzeit kündigen kann


Nach einer Zeit der „Funkstille“ hat mich 1996 der damals amtierende Stuhlmeister erneut angesprochen. Und dann ging alles sehr schnell.


Was mich gereizt hat, war die Vorstellung, einem Bund anzugehören, dem im Laufe der Jahrhunderte viele berühmte Männer angehört haben und in dem es auf brüderlicher Ebene um die Vervollkommnung der persönlichen Charaktereigenschaften geht. Soweit die einfache Variante.


Man könnte die Fragen, warum ich Freimaurer wurde und es noch immer bin, auch etwas ausführlicher beantworten. Ich möchte dazu zunächst das Gedicht unseres Logenbruders Alfried Lehner bemühen:


Ich war von Finsternis umgeben
und sehnte mich nach wahrem Licht.
Doch meinem wechselhaften Streben
erstrahlte diese Sonne nicht,


bis ich mich einem Freund vertraute,
den ich gesucht und den ich bat;
der vor mir jenes Licht erschaute
und mit mir vor die Pforte trat.


Ich klopfte an: drei starke Schläge.
Da tat sich mir die Türe auf.
Gemeinsam ziehn wir unsere Wege
als Brüder nun zum Licht hinauf.


Dieses Gedicht enthält drei Motive, die für mich ausschlaggebend sind:

  1. Das Sehnsuchtsmotiv
  2. Das Gemeinschaftsmotiv
  3. Das Lichtmotiv

Ich bin der Überzeugung, dass sich alle Menschen im Grunde ihres Herzens nach einem Leben in Frieden und Harmonie mit der Schöpfung sehnen, insbesondere aber mit den Mitmenschen. Viele sind vermutlich der Meinung, dass dies auch alles ganz einfach wäre, wenn sich die Umwelt ein wenig Mühe gäbe. Andere sind selbstkritischer und wissen, dass sie sich schon selbst bewegen müssen.


Auf der Suche nach einer Wahrheit jenseits der – menschlich nachvollziehbaren – selbstverliebten Eigenwahrnehmung spüren sie und auch ich, dass es in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten einfacher sein könnte, sich diesem (Sehnsuchts-)Ziel zu nähern.


Meine Gleichgesinnten, die Freimaurer, sind davon überzeugt, dass nur die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlich besseren Verhalten führt. Man könnte auch von einer Art Lebensschule sprechen, welche die Erziehung und Selbsterziehung für ein besseres Miteinander zum Ziel hat.


Symbolisch sehen wir uns als „Rauen Stein“. Um uns in den symbolischen „Tempelbau der Humanität“ einfügen zu können, müssen wir unsere Ecken abtragen, das heißt an uns arbeiten. Dies hat jedoch nichts mit Gleichmacherei zu tun. Vielmehr soll jeder seine Individualität behalten und seinen Platz selbst finden.

Soweit zum Sehnsuchtsmotiv eines Lebens in Frieden und Harmonie mit der Schöpfung, den Mitmenschen, der Natur und den göttlichen Gesetzmäßigkeiten.


Die Logenzugehörigkeit beinhaltet auch eine starke soziale Komponente, den brüderlichen Umgang untereinander. In der Loge lernt man Menschen kennen, denen man sonst im Leben womöglich nie begegnet wäre. Handwerker, Akademiker, Beamte, Künstler usw. kommen hier auf gleicher Ebene zusammen. Man unterhält sich, hört Vorträge, diskutiert und trifft sich auch gerne auf rein gesellschaftlicher Ebene. Dazu gehören dann auch die Familien. Man muss in diesem Kreis nichts politisch Korrektes sagen. Vielmehr kann man hier, um den Freimaurer Lessing zu bemühen, „laut denken mit dem Freunde“. Jeder kommt zu Wort. Und jeder kann davon ausgehen, dass man versuchen wird, seine Ansicht zumindest zu verstehen, falls man sie sich nicht zu eigen machen kann


Was uns trotz der Verschiedenheit eint, ist das Eintreten für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, für Brüderlichkeit und Wahrung der Menschenwürde. Wir bemühen uns, Trennendes unter den Menschen zu überwinden. Die Befreiung von der „Sklaverei der Vorurteile“ gilt als eines unserer wesentlichen Anliegen.


Schlussendlich besteht hier die Möglichkeit, über die Logenarbeit hinaus tiefe Freundschaften zu knüpfen und zu pflegen.


Unter dem „Hinaufziehen zum Licht“ verstehe ich die rituelle Arbeit. Das darf man sich als einen feierlich kontemplativen Vorgang vorstellen. Er soll uns für die vielfältigen Aufgaben unseres Lebens stärken. Wir verlassen dazu die Alltagswelt und treten ein in eine rituelle Zeit und einen rituellen Raum. Dabei erlebt der Freimaurer die Schöpfung eines symbolischen Kosmos mit einer geistig-sittlichen Ordnung und ewigen Gesetzmäßigkeiten.


Wir hören dabei Wechselreden und einen kleinen Vortrag, die Zeichnung. Dabei verinnerlichen wir die ethischen Prinzipien unseres Bundes und die Kardinaltugenden Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Des Weiteren sehen wir Symbole und symbolhafte Handlungen, welche die Gemütskräfte anregen und uns zu innerer Ruhe führen, zu einem geistigen Höhepunkt.


Das Geschehen erlebt jeder ganz persönlich, da die Teilnehmer unterschiedliche Mentalitäten mitbringen und sich verschiedenartig in das Ritual einbringen müssen. Es gibt aber gemeinsame „Wegmarken" des Empfindens. Diese kann man etwa so beschreiben:

  1. Innere Ruhe
  2. Ausgeglichenheit
  3. Öffnen zur Selbsterkenntnis

Unser Bruder Alfried Lehner drückt es so aus: „Die harmonisierende Wirkung rituellen Tuns auf die Psyche erklärt wohl, dass Rituale auch heute noch gepflegt werden, und dass sich die Freimaurerei in dieser Form entwickeln konnte, obgleich unser ›aufgeklärter‹ Geist sich einer entmythisierten und entgötterten Welt gegenübersieht.“

Abschließend kann man sagen, dass man sich zum Verstehen des Rituellen den Bereichen Geschichte, Philosophie, Mythologie und auch Psychologie öffnen muss. Dies übt auf mich einen großen Reiz aus.